DBFM
Festival für Mikroroboter - Musik mit Maschinen
29.09.2016 - 19:05



"Wir sind Roboter" in Berlin ist das erste Festival für Robotermusik. Neben Musik gibt es eine Ausstellung und Diskussionen.

Die Künstler, die sich hier aus der ganzen Welt treffen, sind oft Tüftler, die ihre Maschinen selber bauen.
Von Jürgen Stratmann

Das elektronische Musikensemble gamut inc, bestehend aus Maciej Sledziecki und Marion Wörle.

(Christoph Voy) Maciej Sledziecki und Marion Wörle vom Ensemble Gamut Inc. haben das Festival mit ins Leben gerufen.

"Wir sind die Roboter" Theaterstück über Mensch und Maschine

Es dröhnt fast bedrohlich in der hohen, dunklen Gewölbehalle der Berliner Musikbrauerei. Aber es hat auch was von Zirkus oder Jahrmarkt-Kulisse: Auf der Bühne sitzt neben einer großflächigen Apparatur aus unterschiedlich großen Trommel-Membranen unter anderen eine über Schläuche beatmete Tuba in einem Stuhl, flankiert durch ein elektrifiziertes Fagott, aufrecht stehend wie ein Solist, am Bühnenrand: eine Batterie Orgelpfeifen - wobei die LED's an den Schaltkästen vor den Apparaturen Rummelplatz-munter blinken. Und mittendrin: ein Mensch - der Schlagzeuger Collin Hacklander - vom Duo Hacklander/Hatan. Er spielt mit den Robotern zusammen – das heißt: Er versucht, mit den Robotern mitzuhalten!

Colin Hacklander: "Definitly I'm playing along with the instruments, they not following me."

Obwohl es tatsächlich Roboter gebe, die zuhören - und darauf reagieren könnten, was der andere macht: An echter Interaktion auf der Bühne wird längst gearbeitet, sagt Hacklander: "Yes, the machine-listening is certainly more and more of thing also in experimental electronic music."
Mit Robotern spielen und experimentieren offenbar zahlreiche Künstler auf der ganzen Welt, so die beiden "Wir sind die Roboter"-Veranstalter Marion Wörle und Maciej Sledziecki: "Drei Tage ist eigentlich viel zu wenig für so ein Festival, weil, es gibt natürlich viel mehr, als wir ursprünglich dachten, und es ist natürlich eine kleine Ausstellung und wir wünschen uns, wir hätten viel mehr einladen können, aber dann hätten wir einen Monat der Roboter machen müssen."

Roboterorchester mit 60 Robotern aus Gent

Aber die Veranstalter wollen nicht nur zeigen, dass es eine Szene - und was es in der Szene schon gibt, sondern: Weltneuheiten präsentieren. Marion Wörle:

"Sieben Uraufführungen. Kern des Festivals sind zwei große Ensembles, die Berlin-Premiere haben, das ist zum einen Roland Olbeter mit ungefähr elf ziemlich großen Musikmaschinen, der aus Barcelona anreist. Und eine Auswahl des größten Roboterorchesters der Welt, das in Gent sitzt, in Belgien, die haben ungefähr 60 Musikroboter, und da haben wir zwölf ausgewählt, das ist das absolute Maximum was reinpasst in den Transporter, den sie haben - und dafür haben wir sieben Kompositionsaufträge vergeben, da sind wir sehr gespannt."

Ganz neue Musik präsentieren - darum geht es den Festivalerfindern, denen das Herkömmliche auch persönlich irgendwann nicht mehr reichte, sagt Maciej Sledziecki: "Marion kommt aus der elektronischen Musik und ich bin Gitarrist und Komponist. Wir machen schon ganz lange Musik zusammen, früher mit Gitarre und Laptop. Und als wir auf die Idee gekommen sind, mit den Maschinen zu arbeiten, haben wir uns gedacht, das ist super, das vereint beides: die Elektronik und die Instrumentalmusik."

Auf dem Festival treffen sich auch Tüfftler

Wer Robotermusik machen will, muss die Dinger erst mal bauen! So gesehen ist das Festival auch Technikmesse: Hier treffen sich versierte Tüftler – und auch die Initiatoren - sie bilden das Roboter-Duo "Gamut" - sind natürlich Erfinder! Marion Wörle: "Auf jeden Fall! Also, wenn man selber die Maschinen baut, sobald man anfängt, stößt man auf so viele Fragen, die es zu lösen gilt, da braucht man schon Enthusiasmus und eine Vision."

Stichwort "Vision" - kommt ja von "Sehen"! Über die effektvolle Installation unterschiedlichster, kurioser Musik-Roboter in den hallig-duster-verwitterten Hallen und Kellergewölben der im Ruinenzustand konservierten Berliner Musikbrauerei wolle man die oft sperrigen Soundvisionen versponnener Tüftler auch Leuten näherbringen. Maciej Sledziecki: "Die sonst nicht auf experimentelle Musikkonzerte gehen würden - hier gibt's was zu gucken - und dann gehen die Ohren auf. Es ist ja ganz oft so mit experimenteller Musik, man muss ja eigentlich nur in den Zustand kommen, um die Ohren aufzumachen, zu hören und dann kann man ein ganz tolles Erlebnis haben."


Skipper


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